Material
Acryl auf Leinwand (gespannt auf Holz-Keilrahmen) mit Bilderösen. Mixed Media. Signiertes Unikat mit Echtheitszertifikat - ungerahmt. Mit Schutzlack versiegelt.
Abmessungen
80 x 80 x 4 cm
Information
BEYOND entstand für die Jahresausstellung des Kunstvereins Herrenberg zum Thema "Monochrom". Auf den ersten Blick zeigt das Werk eine radikal reduzierte Komposition aus Schwarz und Weiß: einen handgemalten QR-Code. Doch das eigentlich Entscheidende liegt jenseits dessen, was auf der Oberfläche sichtbar ist.
Bevor der QR-Code entstand, habe ich auf derselben Leinwand zunächst ein farbintensives, abstraktes Arktisbild gemalt. Es war mein erstes Werk zu diesem Thema und trägt die Werknummer 88. Die Arktis hat mich schon immer fasziniert, und kurz bevor die Idee zu BEYOND entstand, wurde mir bewusst, dass ich diese Welt zukünftig verstärkt als Inspirationsquelle für meine Malerei nutzen möchte. Für mich steht die Arktis für Kraft, Transformation, Ruhe, Geheimnis, Unbezwingbarkeit und Faszination – Begriffe und Empfindungen, die sich für mich auf besondere Weise mit den Affirmationen meiner Arbeiten verbinden.
Dieses erste Arktisbild habe ich fotografisch dokumentiert und anschließend vollständig mit weißer Farbe übermalt. Es ist auf der Vorderseite nicht mehr zu sehen und dennoch weiterhin vorhanden: als reale Farbschicht unter der sichtbaren Oberfläche von BEYOND. Betrachtet man die Leinwand von hinten, lässt sich das ursprüngliche Gemälde sogar noch erahnen. Seine Farben scheinen stellenweise durch das Gewebe hindurch. Das Verborgene ist also nicht verschwunden. Es hat lediglich seinen Zustand verändert.
Auf die weiße Fläche habe ich anschließend den QR-Code von Hand gemalt. Wer ihn mit dem Smartphone scannt, gelangt zur digitalen Darstellung genau jenes Arktisbildes, das sich unter der schwarz-weißen Oberfläche befindet. Das Smartphone wird damit zu einem Fenster in eine verborgene Ebene des Originals.
Gerade darin lag für mich ein besonderer Reiz dieser Arbeit. Ich wollte die Vorgabe "Monochrom" nicht einfach nur erfüllen. Ich wollte sie so konsequent erfüllen, dass ich sie gleichzeitig unterlaufen konnte. Das sichtbare Bild beschränkt sich kompromisslos auf Schwarz und Weiß – und verbirgt dennoch eine ganze Welt aus Farbe. Die Farbe ist nicht neben dem monochromen Werk zu sehen und wurde ihm auch nicht digital hinzugefügt. Sie befindet sich tatsächlich darin. Für mich steckt darin auch eine Form von Rebellion: die Regeln mehr als zu erfüllen und sie im selben Moment auf meine eigene Weise zu ignorieren.
Mich interessiert dabei auch die Frage nach Sichtbarkeit, Wirklichkeit und Besitz. Welches ist das eigentliche Bild? Das schwarz-weiße Werk an der Wand? Das farbige Gemälde darunter? Seine digitale Darstellung auf dem Display? Oder entsteht BEYOND erst durch das Zusammenspiel all dieser Ebenen?
Das ursprüngliche Arktisbild existiert nicht mehr als eigenständig sichtbares Werk. Es kann weder separat ausgestellt noch erworben werden. Wer BEYOND besitzt, besitzt dennoch auch dieses Bild – nicht als Reproduktion, sondern als tatsächliche, materielle Schicht der Leinwand. Sichtbar wird es nur noch als digitale Erinnerung und, ganz schwach, durch die Rückseite des Bildes.
Ein weiterer Gedanke hat mich bei BEYOND besonders gereizt: Normalerweise kann man vor einem Kunstwerk stehen, es betrachten und weitergehen. Der QR-Code verändert dieses Verhältnis. Allein durch seine Präsenz enthält er eine stille Aufforderung: Scanne mich. Finde heraus, was sich dahinter verbirgt. Der Betrachter wird dadurch vom Beobachter zum Handelnden. Er muss sein Smartphone hervorholen, die Kamera öffnen und den Code erfassen, um eine Ebene des Werkes zu entdecken, die ihm sonst verborgen bleibt. Gerade diese wortlose Aufforderung empfinde ich als erstaunlich mächtig. Ein QR-Code verspricht, dass sich hinter seiner Oberfläche etwas befindet – und es fällt schwer, der Versuchung zu widerstehen, herauszufinden, was es ist.
Auch der Entstehungsprozess verbindet für mich zwei gegensätzliche Welten. Ein QR-Code steht für digitale Präzision, eindeutige Information und maschinelle Lesbarkeit. Bei BEYOND ist dieser Code jedoch selbst zum Gemälde geworden. Er wurde mit Farbe und von Hand auf die Leinwand gebracht. Aus der Entfernung erscheint er streng, technisch und eindeutig. Aus der Nähe zeigen sich kleine Unregelmäßigkeiten, Strukturen und Spuren des Malprozesses – die menschliche Hand hinter einem eigentlich digitalen Zeichen.
Der Titel BEYOND beschreibt für mich all diese Ebenen. Er bedeutet, über das unmittelbar Sichtbare hinauszugehen. Hinter Schwarz und Weiß liegt Farbe. Hinter der Oberfläche befindet sich eine weitere Wirklichkeit. Hinter dem QR-Code verbirgt sich ein Gemälde. Und hinter dem ersten Arktisbild steht zugleich der Beginn einer neuen künstlerischen Auseinandersetzung.
BEYOND macht das Unsichtbare nicht sichtbar, indem es es freilegt. Das Verborgene bleibt verborgen – und dennoch gibt es einen Weg, es zu entdecken.